International Family Equality Day 2022: Familien-Gleichstellung im Interesse aller

Mit den weltweiten Feierlichkeiten zum International Family Equality Day wurde gestern einerseits Familienvielfalt und Toleranz zelebriert. Andererseits ging es darum zu zeigen, dass die Gleichberechtigung von Regenbogenfamilien jede:n etwas angeht.

Unter dem Motto «Gleichstellung geht alle etwas an» wurde gestern Sonntag weltweit der International Family Equality Day (IFED) gefeiert – ein jährlich stattfindender Tag der Vielfalt, der Regenbogenfamilien und LGBTIQ+ Menschen sichtbar macht und ihnen Gelegenheit gibt, sich selbst und ihre Gemeinschaft zu stärken, Botschaften der Toleranz auszusenden und für Gleichberechtigung einzustehen. Seit der ersten Durchführung des IFED im Jahr 2012 hat sich die Zahl der Teilnehmenden alljährlich vergrössert: Der diesjährige IFED wurde in 237 Städten in 71 Ländern begangen – ein neuer Rekord.

Im Interesse aller: Familienvielfalt

Das diesjährige Motto machte darauf aufmerksam, dass es im Interesse der gesamten Gesellschaft liegt, Vielfalt zu zelebrieren und alle Familienformen zu unterstützen – ganz egal, wie die Familien im Einzelnen zusammengesetzt sind und welche Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung die Familienmitglieder haben. «In einer Gesellschaft, die Diskriminierung zulässt, ist niemand völlig sicher», sagt IFED Co-Präsidentin Benny Odongo. «Hinzu kommt, dass einige Mitglieder dieser Gesellschaft wertvolle Energie in ihr Überleben investieren müssen, anstatt mit ganzer Kraft positive Beiträge zum Wohlergehen der Gemeinschaft erbringen zu können.» Aus diesem Grund sollte jede:r darauf hinarbeiten, die weiterhin bestehenden und vielerorts zahlreichen Benachteiligungen von Regenbogenfamilien und LGBTIQ+ Personen abzuschaffen.

Schweiz: Ausgelassene Feierlichkeiten in drei Städten

In der Schweiz wurde der IFED in Baden, Biel und Lausanne mit Veranstaltungen gefeiert, die vom Dachverband Regenbogenfamilien (DVRF) organisiert worden waren. In Biel und Lausanne trafen sich Familien und Freund:innen zum ausgiebigen Brunch mit abwechslungsreichen Rahmenprogramm, während sich in Baden Gross und Klein an einem vielseitigen Dessertbuffet erfreuten und einen geheimnisvollen Schatz suchten. «Die Anlässe waren wunderschön», sagt DVRF Co-Präsident Roberto Nihil. «Es tut immer gut, mit Gleichgesinnten zusammenzukommen, sich auszutauschen und gegenseitig zu stärken. Und natürlich ist es stets ermutigend zu sehen, wie Familienvielfalt im Alltag gelebt wird.» Der diesjährige IFED sei insofern etwas ganz Besonderes gewesen, als es der erste war seit der erfolgreichen Abstimmung zur «Ehe für alle» im vergangenen September. «Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare war natürlich das absolute Highlight im letzten Jahr», so Nihil. «Wir haben uns stark dafür engagiert und sind über das deutliche Resultat sehr froh. Es ist ein bedeutendes Zeichen für die Akzeptanz der divers gewordenen Formen familiären Zusammenlebens.»

Weitere Gesetzesänderungen erforderlich

Die Eheöffnung bringt in familienrechtlicher Hinsicht zwar wichtige und erfreuliche Fortschritte mit sich – so werden u.a. die gemeinschaftliche Adoption erlaubt und das Verbot der Samenspende aufgehoben. Dennoch sei damit noch nicht alles geregelt, betont DVRF Co-Präsidentin Alev Özcan. «Es ist zentral, dass das Eltern-Kind-Verhältnis unabhängig von den Umständen der Zeugung umgehend rechtlich abgesichert werden kann.» Dies sei zum Beispiel noch nicht möglich im Falle von durch Leihmutterschaft geborenen Kindern oder bei Frauenpaaren oder Trans*Menschen, die für die Zeugung ihres Kindes eine Samenbank im Ausland aufsuchen oder einen privaten Samenspender wählen. «Darüber hinaus brauchen wir noch Änderungen bei der rechtlichen Anerkennung der Mehrelternschaft, bei der Berücksichtigung der Geschlechtsidentität von Trans*Eltern in der Geburtsurkunde des Kindes oder bei der Elternzeit.»

Zusammen zu mehr Gleichberechtigung

Es gibt also noch einiges zu tun, bis Regenbogenfamilien gleichberechtigt leben können. «Gemeinsam werden wir uns weiter für die rechtliche und soziale Anerkennung von allen Regenbogenfamilien stark machen», sagt IFED-Gründerin und DVRF-Geschäftsleiterin Maria von Känel. «Dazu pflegen wir unsere Kontakte mit Familienorganisationen und Politiker:innen, entwickeln unser Beratungsangebot stetig weiter, bieten Weiterbildungen für Fachpersonen sowie Beratung und Vernetzung für bestehende und künftige Regenbogenfamilien an.» Und natürlich werde weiterhin alljährlich der International Family Equality Day gefeiert. «Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr!»

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