«Ehe für alle» mit besserem Schutz für Kinder in Regenbogenfamilien gefordert

«Ehe für alle» mit besserem Schutz für Kinder in Regenbogenfamilien gefordert

Gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern haben zur rechtlichen Absicherung ihrer Familie viel Hoffnung auf das neue Gesetz der Stiefkindadoption gesetzt. Dieses ist seit Anfang 2018 in Kraft. Jetzt zeigt sich: Das Verfahren der Stiefkindadoption ist langwierig, kostspielig und risikoreich. Hinzu kommen diskriminierende Erfahrungen im Umgang mit Behörden. Der Dachverband Regenbogenfamilien und die Lesbenorganisation Schweiz LOS fordern deshalb gemeinsam, dass mit Einführung der «Ehe für alle» für verheiratete Frauen die Elternschaft ab Geburt eines Kindes gilt und sie Zugang zur Samenspende in der Schweiz erhalten. Die beiden Organisationen haben am Freitag (30.08.19) in Bern an einer Kundgebung und einer Medienkonferenz auf ihre Forderung aufmerksam gemacht. «Sicher ist sicher!» und «Wir wollen Samen! Amen.», lauteten das Motto und die Bannersprüche. Denn mit einem geordneten Zugang zur Samenspende für verheiratete Frauen und der Elternschaft ab Geburt sind die Kinder besser geschützt!

«Aus unseren Beratungen wissen wir, dass sich immer mehr homosexuelle Paare in eingetragener Partnerschaft einen Kinderwunsch erfüllen möchten», sagte Maria von Känel, Geschäftsführerin des Dachverbandes Regenbogenfamilien. «Der Weg zu einer Familie mit Kindern ist allerdings voller Hürden und diskriminierender Erfahrungen. Die lange Wartezeit bis zur Adoption stört auch die Einheit und Identität der Familie», erklärte von Känel an der Medienkonferenz. «Der Leidensdruck ist gross!», warnt sie. Deshalb seien die Elternschaft ab Geburt und der geregelte Zugang zur Samenspende entscheidend.

Mit der heutigen Regelung der Stiefkindadoption ist das Kind schlecht abgesichert

Wenn die nicht-leibliche Mutter das Kind ihrer Partnerin, mit der sie in eingetragener Partnerschaft lebt, durch Stiefkindadoption adoptieren möchte, kann das Verfahren über ein Jahr dauern. Hinzu kommen gesetzliche Wartefristen. «Mit der heutigen Regelung der Stiefkindadoption ist das Kind schlecht abgesichert, falls dem leiblichen Elternteil vor Abschluss des Adoptionsverfahrens etwas zustösst», sagte Nadja Herz, Rechtsanwältin und Co-Präsidentin der Lesbenorganisation LOS. Der zur Diskussion stehende Vorschlag sehe vor, dass der Zugang zur Samenspende über das Abstammungsrecht geregelt werde. Nach diesem soll bei verheirateten Frauenpaaren das Kindesverhältnis bei der Geburt automatisch zu beiden Frauen entstehen. «Damit ist das Kind rechtlich von Anfang an gut geschützt», sagte Nadja Herz.

Werdende Mutter erzählt von Diskriminierungserfahrungen

Manuela Burgermeister, die mit ihrer Partnerin einen gemeinsamen Kinderwunsch erfüllt, hat auf ihrem Weg zu einer privaten Samenspende erfahren müssen, wie schwierig und aufwändig es ist, das gemeinsame Familienglück zu realisieren. «Ich musste zum ersten Mal in meinem Leben in der Schweiz Diskriminierung erfahren», sagte sie, die als Betroffene an der Medienkonferenz Auskunft gab. «Ich hoffe, dass die Politik sich darauf einigen kann, die Erfüllung eines Kinderwunsches zu vereinfachen», sagte Burgermeister. Es müsse Klarheit geschaffen und der Schutz der Kinder verbessert werden.

Schlankes und elegantes Gesetz löst die Probleme auf einen Schlag

«Die Rechtskommission des Nationalrates hat mit ihrer ‹Variante› in der Vernehmlassungsvorlage einen schlanken und eleganten Entwurf erarbeitet, der auf einen Schlag alle Probleme löst», sagte Salome Zimmermann, ebenfalls Rechtsanwältin und Co-Präsidentin der LOS. «Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier müssen sich nun zusammenraufen und Ja dazu sagen und damit die Diskriminierung von Lesbenpaaren beseitigen», so Salome Zimmermann.

Themenfotos zum Thema Regenbogenfamilien sind erhältlich von Keystone-Fotograf Gaëtan Bally unter https://visual.keystone-sda.ch.

Fotos von der Kundgebung können am 30.08.19 ab 9.30 Uhr unter dem folgenden Link runtergeladen werden: https://www.regenbogenfamilien.ch/medienfotos/

Weitere Informationen:

Argumentarium unter: www.regenbogenfamilien.ch/argumentarium-ehe-fuer-alle-all-inclusive

Medienmitteilung vom 21. Juni 2019: www.regenbogenfamilien.ch/geordneter-zugang-zur-samenspende-bringt-besseren-schutz-fuer-die-kinder

Dachverband Regenbogenfamilien
Der national tätige Verein vertritt seit 2010 die Interessen von Regenbogenfamilien in der Schweiz und setzt sich für deren gesellschaftliche Anerkennung und rechtliche Gleichstellung ein. Der Dachverband bietet Beratungen und Treffen für Regenbogenfamilien und LGBTIQ*-Menschen mit Kinderwunsch an und organisiert Workshops und Informationsveranstaltungen rund um das Thema Regenbogenfamilien. Regenbogenfamilien sind Familien, in denen sich mindestens ein Elternteil als lesbisch, schwul, bi, trans* oder queer (LGBTQ) versteht.

Lesbenorganisation Schweiz LOS
Die LOS ist die nationale Interessenvereinigung von lesbischen, bisexuellen und queeren Frauen und von regionalen bzw. themenspezifischen Lesbengruppen, welche auf politischer Ebene Einfluss nehmen wollen.Sie agiert als pressure group auf nationaler Ebene in den Bereichen Politik und Gesellschaft, um die volle Gleichberechtigung von frauenliebenden Frauen mit heterosexuellen Mitmenschen zu erreichen. Wichtig ist ihr dabei insbesondere der Kampf für die Sichtbarkeit von lesbischen Lebensweisen sowie gegen jede Form der Diskriminierung von lesbischen, bisexuellen und queeren Frauen.

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